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Gesundheit & Fitness – Die „bösen“ Süßstoffe oder doch nicht?

Süßstoffe sind ungesund, verursachen Durchfall und lassen das Krebsrisiko steigen?

In vielen Lebensmitteln, gerade in Sportprodukten wie Proteinpulvern, Riegeln und Sportgetränken sind Süßstoffe enthalten. Fakt ist, das wohl mehr als 100 Millionen allein in Europa täglich Süßstoffe konsumieren. Es gibt so viele Lebensmittelzusätze doch kaum einer verursacht soviel Gesprächsstoff wie die Süßstoffe.

Aussagen über Süßstoffe:
– regen den Appetit an
– machen dick
– werden in der Schweinemast eingesetzt
– verursachen Durchfall
– krebserregende Chemie
– Zucker kann kalorienfrei ersetzt werden
– machen schlank
– Süßstoffe sind unbedenklich für die Gesundheit

Welche Aussagen stimmen denn eigentlich oder wo ist was dran nun und was ist absoluter Quatsch? Bringen wir doch ein bisschen Licht in das Dunkle. Was gibt es wirklich für Vor- und Nachteile bei Süßstoffen, die auch wissenschaftlich belegt sind?

Was sind Süßstoffe?

Süßstoffe dienen als Ersatz für Zucker, genauer Saccharose – das ist der handelsübliche weiße Haushaltszucker, der ja bekanntlich aus Zuckerrüben gewonnen wird. Einige Süßstoffe werden künstlich hergestellt, andere entstammen der der Natur. In der EU gibt es inzwischen 10 zugelassene Süßstoffe, die allesamt eine sehr hohe Süßkraft besitzen. Der „stärkste“ Süßstoff heisst Neotam und besitzt mehr als die 10.000-fache Süßkraft von normalem Zucker. Die Lebensmittelindustrie kombiniert Süßstoffe oft, somit möchten man ein möglichst “authentisches” Geschmackserlebnis erzeugen. Wenn man also mehrere Süßstoffe kombiniert erhöht sich also auch die Süßkraft, was einem schlussendlich auch andere natürliche Nahrungsmittel wie Obst weniger süß vorkommen lässt.

Entdeckung und Geschichte der Süßstoffe:
Landläufig wird dem Saccharin das Attribut „ältesten Süßstoffes“ zugeschrieben. Per Zufall wurde es 1878 von Constantin Fahlberg entdeckt. 20 Jahre später gab es in Deutschland die erste gesetzliche Zulassung für Süßstoff. Doch schon 1902 wurde das Saccharin wieder verboten, weil es mit einer Jahresproduktion etwa 175.000 Kilogramm zum konkurrierenden Wirtschaftsfaktor geworden war und die Bismarck-Regierung die Zucker-Interessen stützen wollte. Vielleicht sorgte dieses Verbot auch ein wenig dafür das Süßstoffe so einen schlechten Ruf haben?

 

Welche Süßstoffe gibt es?

In der EU waren bis vor kurzem neun Süßstoffe zugelassen: Acesulfam, Aspartam, Aspartam-Acesulfam-Salz, Cyclamat, Saccharin, Sucralose, Thaumatin, Neohesperidin und Neotam. Die Zulassung des zehnten „Steviolglycosid“, aus der Stevia-Pflanze, ist mittlerweile auch durch die EU erfolgt. Nicht zu verwechseln sind Süßstoffe mit Zuckeraustauschstoffen. Ihre Süßkraft ist geringer, zudem beinhalten sie Kohlehydrate. Da sie als „zahnfreundlich“ gelten, sind sie oft Bestandteil von Kaugummis oder Zahnpasta.

 

Mythos #1: Süßstoffe erhöhen das Krebsrisiko

Manche Zuckerersatzstoffe stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Aspartam soll die Entstehung von Gehirntumoren begünstigen, Cyclamat Blasenkrebs verursachen, jedoch gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege. Alle Lebensmittelzusatzstoffe werden vor der Zulassung einem strengen Untersuchungsverfahren durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit unterzogen und nun ratet mal wie mit Süßstoffe dabei umgegangen wird? Sie gehören zu den am meissten und besten erforschten überhaupt. Hinweise auf gesundheitliche Nebenwirkungen bei Süßstoffen gab es dabei bislang nicht – solange man es nicht übertreibt und sich weiterhin ausgewogenen ernährt.

Ausnahmen gibt es jedoch hier auch, da manche Menschen die unter einer Stoffwechselkrankheit namens „Phenylketonurie“ leiden, ist Aspartam tabu. Sie können die darin enthaltene Aminosäure Phenylalanin nicht verarbeiten.

Bei Stevia sollte man noch etwas vorsichtig sein. Dieser Süßstoff wurde zwar kürzlich in der EU zugelassen, jedoch ist das Ganzen noch nicht so erforscht. In Südamerika wird er von Männern als Verhütungsmittel eingesetzt, deshalb gab es nicht nur Studien bezüglich des Krebsrisikos sonder auch Studien über eine negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und Fortpflanzungsorgane. Wenn man Stevia als bewusst benutzen möchte sollte man vielleicht doch lieber auf Nummer Sicher gehen und warten bis es dazu mehr Forschungsergebnisse gibt.

 

Mythos #2: Süßstoffe verursachen Durchfall

Dieser Mythos wurde vermutlich von Menschen aufgebracht, die die Begriffe “Süßstoff” und “Zuckeraustauschstoff” in einen Topf geworfen haben. Zuckeraustauschstoffe wie Isomalt, Sorbit, Sylit und Mannit können in höheren Dosen auch zu Verdauungsproblemen führen. Süßstoffe selbst lösen jedoch keinen Durchfall aus.

 

Mythos #3: Süßstoffe werden in der Tiermast verwendet

Das ist umstritten. Udo Pollmer vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften erklärt: „Süßstoffe werden sicher nicht zur Mast eingesetzt, wenn die Tiere davon abnehmen“, sagt der Wissenschaftler. „Sie sind teurer als Zucker und wenn die billigere Lösung denselben Effekte hätte, würden Mastbetriebe sicher Zucker wählen.“

Laut Landwirtschaftsexperten ist ein weiterer Grund, warum Futter Süßstoff enthält, die Geschmacksvorliebe von Jungtieren. Um die Ferkel von der süßen Muttermilch auf den herben Geschmack normalen Futters umzustellen und den Appetit anzuregen, darf ihr Futter bis zum vierten Lebensmonat Saccharin enthalten. So ist es möglich, die Ferkel früher abzustillen und zu mästen…
Quelle: Focus

Das Futter in der später beginnenden „Mastphase“ ist also wohl nicht betroffen. Nachdem hier aber in letzter Zeit, diverse Konzerne schon über die Strenge geschlagen haben, möchte hier für keinen die Hand ins Feuer legen. Prinzipiell kann man sagen, es sollte nicht so sein ob das aber wirklich zutrifft, wird jeder Betrieb wohl mit seinem Gewissen ausmachen.

 

Mythos #4: Süßstoffe eignen zum Abnehmen

Nehmen wir an, der Durchschnittsdeutsche ersetzt Zucker durch Süßstoff, damit würde er pro Tag ca. 400 Kcal sparen, das macht im Jahr 150.000 Kcal und entspricht etwa 20 kg. Das ist aber nicht so einfach wie es sich anhört denn ein Allheilmittel zum Abnehmen sind Süßstoffe nicht. Die Substanzen aktivieren dieselben Geschmacksrezeptoren wie Zucker und befördern so die Lust nach Süßem. Wer also häufig Diät-Limonaden trinkt, steigert damit also womöglich gleichzeitig seinen Appetit auf zuckerhaltige Speisen.

Das Problem ist hierbei, dass der Körper aufgrund des süßen Geschmacks eine größere Menge Kalorien erwartet und entsprechend Insulin produziert. Bleiben die Kalorien aus, bleibt das Hungergefühl erhalten, da der Körper keine Kalorien zum Verdauen hat. In der Folge wird der gesamte Verdauungsprozess verlangsamt.

 

Mythos #5: Süßstoffe sind pure Chemie

Nicht alle Süßstoffe werden künstlich hergestellt: Thaumatin ist ein Extrakt der Katemfe-Frucht, Neohesperidin-Dihydrochalcon wird aus den Schalen von Bitterorangen gewonnen, sowie Stevia das aus einer Pflanze gewonnen wird die sich „Süßkraut“ oder „Honigkraut“ nennt.

Fazit:
Am gesündesten ist es meiner Meinung nach, so weit wie möglich auf künstliche Produkte zu verzichten und natürliche Lebensmittel zu verzehren. Niemand muss auf süßes verzichten wenn die restliche Ernährung stimmt und diese ausgewogen ist. Wer aber trotzdem nicht auf Süßstoffe verzichten mag, dem sei gesagt das laut aktuellem wissenschaftlichen Stand, die zugelassen Süßstoffe prinzipiell als unbedenklich eingestuft werden.

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